Was „The Love Hypothesis“ ausmacht

Bevor es an die Empfehlungen geht, lohnt ein kurzer Blick darauf, warum das Buch so gut funktioniert. Olive Smith promoviert in Biologie in Stanford. Um ihrer Freundin Anh zu beweisen, dass sie über ihren Ex hinweg ist, küsst sie spontan den ersten Mann auf dem Flur. Das ist ausgerechnet Adam Carlsen, ein junger Professor mit dem Ruf, Doktoranden reihenweise zu zerlegen. Aus dem Kuss wird eine vorgetäuschte Beziehung, aus der vorgetäuschten Beziehung langsam etwas Echtes.

Die Zutaten dahinter sind klar erkennbar:

  • Fake-Dating: Zwei Menschen tun so, als wären sie ein Paar, und merken zu spät, dass sie nicht mehr spielen.
  • Slow burn: Die Gefühle wachsen über viele Kapitel, statt nach Seite 30 festzustehen.
  • Grumpy meets sunshine: Er wirkt kalt und abweisend, sie ist chaotisch und herzlich.
  • Kluge Heldin: Olive hat einen Beruf, ein Forschungsprojekt und eigene Ziele, die nicht hinter der Liebesgeschichte verschwinden.

Wenn du wissen willst, wie diese Muster in der Romance-Welt heißen und was sie jeweils versprechen, findest du in unserem Artikel Romance-Tropes erklärt einen Überblick. Die folgenden zehn Bücher decken jeweils mindestens zwei dieser Zutaten ab.

Romances mit Fake-Dating

1. „Love, Theoretically“ von Ali Hazelwood

Wenn du nur ein Buch von dieser Liste lesen willst, dann dieses. Elsie Hannaway ist theoretische Physikerin und verdient nebenbei Geld als Fake-Freundin über eine Dating-App. Dann steht sie in einem Bewerbungsgespräch ausgerechnet Jack Smith gegenüber, dem Bruder ihres Fake-Freundes, und der ist zugleich ein Experimentalphysiker, der ihr Fachgebiet für wertlos hält. Hazelwoods Humor, der Uni-Alltag und die langsame Annäherung fühlen sich sehr vertraut an.

2. „The Spanish Love Deception“ von Elena Armas

Catalina Martín braucht eine Begleitung für die Hochzeit ihrer Schwester in Spanien, und zwar dringend, weil sie ihrer Familie bereits einen Freund angekündigt hat. Einziger Freiwilliger: Aaron Blackford, ihr Kollege, mit dem sie sich seit Jahren anzickt. Das Buch nimmt sich viel Zeit, bis es knistert. Genau das ist sein Reiz, auch wenn manche Leserinnen den Anfang als zäh empfinden.

3. „The Unhoneymooners“ von Christina Lauren

Nach einer Lebensmittelvergiftung auf der Hochzeit ihrer Zwillingsschwester sind nur noch zwei Gäste gesund: Olive und Ethan, der Bruder des Bräutigams, den sie nicht ausstehen kann. Also fliegen die beiden auf die kostenlose Hochzeitsreise nach Maui und geben sich als frisch verheiratetes Paar aus. Das Buch ist leichter und witziger als „The Love Hypothesis“, hat aber dieselbe Grundspannung zwischen Abneigung und Anziehung.

4. „The Wedding Date“ von Jasmine Guillory

Alexa und Drew bleiben in einem Hotelaufzug stecken. Drew braucht eine Begleitung für die Hochzeit seiner Ex, Alexa sagt spontan zu. Was als einmaliger Fake-Termin beginnt, wird zu einer Fernbeziehung, die keiner der beiden geplant hat. Der Ton ist warm und entspannt, der Konflikt dreht sich stärker um erwachsene Fragen wie Karriere und Vertrauen.

5. „To All the Boys I’ve Loved Before“ von Jenny Han

Die jugendliche Variante: Lara Jean schreibt Liebesbriefe, die sie nie abschicken will. Als die Briefe doch verschickt werden, beginnt sie eine Fake-Beziehung mit Peter Kavinsky, um das Chaos zu überspielen. Das Buch ist ein Jugendroman und kommt ohne explizite Szenen aus. Wenn dir bei „The Love Hypothesis“ vor allem das Spiel mit der vorgetäuschten Beziehung gefallen hat, ist es ein guter Tipp.

Romances mit Rivalen und slow burn

6. „The Hating Game“ von Sally Thorne

Lucy Hutton und Joshua Templeman arbeiten als Assistenten zweier Chefs in einem Verlag und hassen sich. Beide bewerben sich auf dieselbe Beförderung. Kein Fake-Dating, dafür eine enge Büro-Dynamik mit viel Sticheln, die dem Verhältnis von Olive und Adam ziemlich nahekommt. Wer den mürrischen, aber insgeheim aufmerksamen Helden mochte, wird Joshua mögen.

7. „Book Lovers“ von Emily Henry

Nora Stephens ist Literaturagentin in New York, ehrgeizig und stolz darauf, nicht die Heldin einer Kleinstadt-Romance zu sein. Als ihre Schwester sie in genau so eine Kleinstadt schleppt, trifft sie auf Charlie Lastra, einen Lektor, mit dem sie beruflich schon einmal aneinandergeraten ist. Das Buch lebt von schnellen Dialogen und einer Heldin, deren Beruf ernst genommen wird.

8. „The Wall of Winnipeg and Me“ von Mariana Zapata

Wenn du slow burn wirklich wörtlich nimmst, bist du hier richtig. Vanessa arbeitet als Assistentin für den Football-Profi Aiden Graves, der kaum ein Wort mit ihr redet. Nachdem sie gekündigt hat, steht er vor ihrer Tür und bittet sie, ihn zu heiraten, weil er eine Green Card braucht. Die Liebesgeschichte entwickelt sich über Hunderte Seiten. Das ist nichts für Ungeduldige, aber umso lohnender, wenn du dich darauf einlässt.

Romances mit Wissenschaftlerinnen als Heldinnen

9. „Love on the Brain“ von Ali Hazelwood

Bee Königswasser ist Neurowissenschaftlerin und bekommt die Leitung eines NASA-Projekts. Ihr Co-Leiter ist Levi Ward, ein früherer Kommilitone, der sie in ihrer Erinnerung schon immer verachtet hat. Die Konstellation ist eher Missverständnis als Fake-Dating, aber der Wissenschaftsbetrieb, die Nerd-Referenzen und der verschlossene Held sind typisch Hazelwood.

10. „The Kiss Quotient“ von Helen Hoang

Stella Lane ist Ökonometrikerin, entwickelt Algorithmen und ist Autistin. Weil sie mit Dating nichts anfangen kann, bezahlt sie Michael, einen Escort, um mit ihm „Beziehung zu üben“. Die vereinbarte Beziehung ersetzt hier das Fake-Dating, und die Frage, wann aus Übung Ernst wird, trägt das ganze Buch. Beachte, dass „The Kiss Quotient“ deutlich expliziter ist als „The Love Hypothesis“.

Worauf du bei der Auswahl achten solltest

Nicht jedes Buch mit ähnlichem Trope fühlt sich gleich an. Drei Punkte helfen dir, das passende auszuwählen:

  • Spice-Level: Die Titel reichen von jugendfrei („To All the Boys I’ve Loved Before“) bis deutlich explizit („The Kiss Quotient“, „The Hating Game“). Wenn dir das wichtig ist, lies vorher Rezensionen.
  • Tempo: Mariana Zapata und Elena Armas lassen sich sehr viel Zeit. Christina Lauren und Jasmine Guillory kommen schneller auf den Punkt.
  • Sprache: Viele der Bücher sind auch auf Deutsch erschienen, teils mit anderem Titel. Such am besten nach Autorin und Originaltitel, dann findest du die Übersetzung.

Von der Fan-Fiction zum eigenen Roman

Eine Randnotiz, die viele überrascht: „The Love Hypothesis“ geht auf eine Fan-Fiction zurück, die Ali Hazelwood online veröffentlicht hatte, bevor sie daraus einen eigenständigen Roman machte. Das Muster gibt es in der Romance öfter. Leserinnen, die ein Genre in- und auswendig kennen, fangen irgendwann an, eigene Geschichten zu schreiben.

Falls du selbst mit dem Gedanken spielst, deine Fake-Dating-Idee aufzuschreiben, hilft ein strukturierter Einstieg. „Buch schreiben lernen“ begleitet dich von der Idee bis zum fertigen Manuskript. In „Bestseller Secrets“ erklärt Stefan Schott, wie aus einer Idee ein veröffentlichtes Buch wird. Beides sind Ratgeber und keine Romances, aber für angehende Autorinnen und Autoren ein guter nächster Schritt.

Kurz zusammengefasst

Für das Gefühl von „The Love Hypothesis“ bleibst du am besten bei Ali Hazelwood und liest „Love, Theoretically“. Wenn dich vor allem die vorgetäuschte Beziehung reizt, nimm „The Spanish Love Deception“ oder „The Unhoneymooners“. Magst du eher das Sticheln zwischen zwei Rivalen, sind „The Hating Game“ und „Book Lovers“ die passende Wahl. Und falls die Verfilmung dir Lust auf möglichst viel Spannung vor dem ersten Kuss macht, greif zu Mariana Zapata und nimm dir Zeit.